Infektionsmedizin und Zoonosen
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Neue Ergebnisse und Projekte

Spezifische Abwehrzellen für schnell wirksamen Impfschutz

Bild: Maus mit Pockenschutzimpfung

Maus mit PockenschutzimpfungImpfungen sind die wirksamsten präventiven Maßnahmen gegen zahlreiche Infektionskrankheiten. Aufgrund der zunehmenden Bedrohung durch neuartige gefährliche Erreger, sind innovative Verfahren nötig geworden, die bei plötzlich auftretenden Epidemien einen möglichst sofortigen Impfschutz bieten. Eine neue Studie hilft nun, die Schutzmechanismen besonders früh einsetzender Immunantworten besser zu verstehen. Wissenschaftler aus dem Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU testeten in Zusammenarbeit mit Kollegen des Paul-Ehrlich-Instituts und der Medizinischen Hochschule Hannover Impfstoffe auf Basis des Modifizierten Vacciniavirus Ankara (MVA) und konnten erstmals zeigen, dass die Aktivierung körpereigener Abwehrzellen, insbesondere der zytotoxischen T-Zellen,  für den Impfschutz eine herausragende Rolle spielt. Überraschend war dies vor allem, weil bisherige Studien eher vermuten ließen, dass die Bildung anderer Abwehrstoffe, sogenannter spezifischer Antikörper, eine vorrangige Bedeutung hat – dies wird auch für die Schutzwirkung praktisch aller humanmedizinischer Virusimpfstoffe angenommen.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Aktivierung von Abwehrzellen durch Impfungen auch bei der Bekämpfung anderer Infektionskrankheiten wichtig sein könnte – zum Beispiel, wenn kurzfristig ein schnell wirksamer Impfschutz  bei plötzlich auftretenden Epidemien wie SARS oder Influenza benötigt wird.
Darüber hinaus bilden die Erkenntnisse der Studie eine wichtige Grundlage für die Entwicklung neuer Impfstoffe, mit denen die zelluläre Immunität auch gegen andere Erreger verstärkt und so die Wirksamkeit von Impfungen erhöht werden kann.
Auf diese Weise könnte in Zukunft auch dazu beigetragen werden, neue wirksame Impfstoffe gegen besonders schwer zu bekämpfende Infektionen wie Tuberkulose und Malaria zu entwickeln.

Referenz

Critical role of perforin-dependent CD8+ T cell immunity for rapid protective vaccination in a murine model for human smallpox. (pdf, 2,1 MB)
Kremer M.*, Suezer Y.*, Volz A.*, Frenz T., Majzoub M., Hanschmann K.-M., Lehmann M.H., Kalinke U., Sutter G.
PLoS Pathogens, 8(3), e1002557 (2012); *equal contribution

Virulenzfaktor bei Mäusepocken identifiziert

Bild: Lebernekrose bei Mäusepocken

MäusepockenDas Orthopockenvirus Ektromeliavirus
(oder Mäusepockenvirus) führt bei Mäusen zu schweren generalisierenden Infektionen. Aus diesem Grund ist es
ein gefürchteter Krankheitserreger bei der Mäusezucht
und -haltung. Das Virus weist eine große Ähnlichkeit mit
dem Variolavirus, dem Erreger der Pocken beim Menschen ("Variola vera", engl. "Smallpox") auf. Diese Ähnlichkeit sowie der typische Verlauf der Erkrankung
machen die Mäusepocken zu einem exzellenten Modell für die Untersuchung
der Pathogenese systemischer Pockenvirusinfektionen, die noch weitgehend
unerforscht ist.

Wissenschaftlern aus dem Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen ist
jetzt in Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem Paul-Ehrlich-Institut ein
wichtiger Schritt bei der Erforschung der Pathogenese gelungen: Ein für den
Verlauf der Erkrankung wichtiges Virusprotein konnte identifiziert und dessen essentielle Rolle bei der Generalisierung der Mäusepockeninfektion beschrieben werden.

Referenz

N1L is an ectromelia virus virulence factor and essential for in vivo spread upon respiratory infection. (online-abstract)
Gratz M., Suezer Y., Kremer M., Volz A., Majzoub M., Hanschmann K.M., Kalinke U., Schwantes A., Sutter G.
J.Virol., 7, 3557-3569 (2011)

 

EU Netzwerkprojekt in der Gesundheitsforschung:

Vector-borne risks for Europe: Risk assessment and control of West Nile and Chikungunya virus (VECTORIE, FP7 Project No 261466)

Europäische Experten auf dem Gebiet der Virologie, Entomologie und Impfstoffforschung arbeiten gemeinsam daran, die Überwachung, Vorbeugung und Behandlung von Infektionen mit dem West-Nile-Virus und dem Chikungunya Virus zu verbessern. Diese Viren sind Zoonose-Erreger, die ursprünglich in den Tropen beheimatet sind und von Stechmücken auf den Menschen übertragen werden. Jetzt gelten die Erreger als Ursache neu auftretender Fiebererkran-
kungen in Europa.
An der Zusammenarbeit der europäischen Experten ist auch der Lehrstuhl für Virologie beteiligt: Wissenschaftler des Lehrstuhls arbeiten an der Entwicklung neuer Testimpfstoffe auf Basis des Modifizierten Vacciniavirus Ankara (MVA).